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Zgoll | Detail

Unboxing und erster Test der Even Realities G2

Design Technik Korschenbroich

Even G2: Gadget oder echter Office Helfer?

Smart Glasses drängen gerade mit Macht auf den Markt. Bei den verschiedenen Modellen stellt sich für uns aber nicht nur die Frage, was sie können. Sondern vielmehr: Helfen sie wirklich im echten Arbeitsalltag?

„Work flows“ ist nicht umsonst unser Motto. Bei aller Liebe und Faszination zu neuen Technologien interessiert uns vor allem, was sie für den zukünftigen Arbeitsalltag bedeutet: für Meetings, Kommunikation, Informationszugriff, mobile Arbeit und den Umgang mit digitalen Inhalten im laufenden Betrieb.

Genau da wird die Even Realities G2 interessant. Denn diese Brille will gar nicht die lauteste, bunteste oder social-media-tauglichste Smart Glasses sein. Sie will vor allem eines sein: eine unauffällige, tragbare Arbeitsbrille mit smartem Mehrwert. Gelingt ihr das auch? 

Was die Even Realities G2 so spannend macht

Die Even Realties G2 ist eine smarte Brille mit integriertem Display, mit Funktionen, die bewusst auf den Einsatz im Alltag zielen – und zwar mit

  • Übersetzung,
  • Teleprompter,
  • HUD-Einblendungen,
  • KI-Unterstützung,
  • Transkription
  • und einem optionalen Smart Ring zur Steuerung. 

Wie bei einer normalen Brille sind die Brillengläser auch als Varianten mit Sehstärke möglich. Und genau das ist der Punkt: Diese Brille will nicht wie ein futuristischer Prototyp wirken. Sie will aussehen wie eine Brille, die man wirklich jeden Tag trägt. Im direkten Vergleich zu auffälligeren Smart-Glasses-Konzepten wirkt die Even G2 deutlich filigraner, alltagstauglicher und im Stil näher an klassischer Optik als an sichtbarer Consumer-Tech.

Das ist kein kleines Detail. Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Faktoren überhaupt. Denn ein Wearable gewinnt den Arbeitsalltag nicht auf dem Datenblatt, sondern auf der Nase.

 

Optikerprodukt meets Tech-Spielzeug

Schon beim Auspacken zeigt sich, in welche Richtung Even Realities denkt. Die G2 wird nicht einfach nur als Elektronik verkauft, sondern eher wie ein Optikerprodukt inszeniert.

Gestell auswählen, vermessen werden, Gläser anpassen lassen, Ringgröße abstimmen – das Ganze wirkt dadurch weniger wie „Ich bestelle mir mal ein Gadget“ und mehr wie „Ich richte mir ein Werkzeug für den Alltag ein“. Und das ist aus Nutzersicht clever. Denn gerade bei Smart Glasses entscheidet der Sitz über alles: Komfort, Lesbarkeit, Akzeptanz und letztlich auch darüber, ob das Gerät nach drei Tagen in der Schublade verschwindet oder nicht.

 

Tragekomfort – der vielleicht wichtigste Sieg der Even G2

Uns beeindruckt die Even G2 vom ersten Moment an: Wir überspringen die Testphase und tragen sie direkt! Nicht für zehn Minuten, nicht nur zum Vorführen – sie bleibt auf der Nase und kommt direkt richtig zum Einsatz. Nutzen wir ihre Funktionn nicht, fühlt sie sich an wie eine ganz normale Brille.

Genau darin liegt die eigentliche Stärke: Smart Glasses, die man morgens gern aufsetzt und im Laufe des Tages fast vergisst, haben im Office-Kontext einen riesigen Vorteil gegenüber Geräten, die permanent nach Technik aussehen oder sich steif und sperrig anfühlen. 

So gewinnt die Even G2 im ersten Eindruck nicht durch Showeffekte, sondern durch Zurückhaltung und das Gefühl von Normalität. Und genau das ist für uns überraschen und der spannendere Fortschritt.

„Die Even Realities G2 fühlt sich deutlich weniger wie Technik auf dem Kopf an – und deutlich mehr wie eine normale Brille mit Superkraft.“

Smarter Ring statt Wristband -
eine Steuerung, die im Alltag Sinn ergibt

Die Even G2 hat ein eigenes Konzept für die Steuerung der verschiedenen integrierten Funktionen: Hier nutzt der User einen Ring, der auf Berührungen reagiert. Er liefert einen festen Orientierungspunkt am Finger, macht Wischgesten greifbarer und scheint in der Praxis weniger Fehlbedienungen zu produzieren als andere Smart Glasses, bei denen die Steuerung über ein Wristband funktioniert.

Notifications im Sichtfeld – stark für Einsatz im Office

Der eigentliche Mehrwert der Even G2 liegt in den kleinen Momenten mit großer Wirkung:

Eine Nachricht ploppt kurz im Sichtfeld auf.
Ein Kalendereintrag wird eingeblendet.
Eine Chat-Nachricht taucht auf, ohne dass man zum Smartphone oder zur Smartwatch greifen muss.

Das ist die Art von Funktion, die im ersten Moment unspektakulär klingt – und im Alltag plötzlich extrem nützlich wird. Gerade im Büro ist das spannend, weil es einen Unterschied macht, wo Information auftaucht. Eine Smartwatch zwingt oft zu einer sichtbaren Geste. Das Smartphone zieht den Blick komplett aus dem Gespräch. Die Brille dagegen hält die Information näher an der eigentlichen Situation.
Und genau hier beginnt die Frage, die uns bei zgoll: besonders interessiert: Wie verändern sich Arbeitsabläufe, wenn Informationen nicht mehr auf einem separaten Gerät landen, sondern direkt im Sichtfeld?

Datenschutz und Office-Tauglichkeit – weniger Kamera, mehr Ruhe?

Ein weiterer Punkt, der positiv ins Gewicht fällt: Die Even G2 hat keine Kamera.

Auf den ersten Blick vielleicht ein Mangel. Für den Einsatz im Büro kann es aber ein Vorteil sein. Denn Kameras an Smart Glasses werfen in Meetings, Kundengesprächen und sensiblen Arbeitsumgebungen sofort Fragen auf: Wird aufgenommen? Ist die Kamera aktiv? 
Die Even G2 umgeht diese Diskussion ein gutes Stück weit, weil dieses Konfliktfeld gar nicht erst so stark entsteht. Für Content, Social und POV-Aufnahmen sind Kameras an Brillen natürlich spannend. Für viele Office-Szenarien ist die kamerafreie Lösung der Even G2 aber wahrscheinlich leichter vermittelbar.

 

Even G2 vs. Ray-Ban Meta Display: Zwei sehr unterschiedliche Konzepte für Smart Glasses

Für viel Aufsehen haben in den letzten Monaten andere Smart Glasses gesorgt:  die Ray-Ban Meta Display. Legt man beide Geräte nebeneinander, wird klar: Hier konkurrieren nicht nur zwei Produkte, sondern zwei Philosophien.

Ray-Ban Meta denkt die Brille stark als Medien-, Audio- und Kamera-Gerät: aufnehmen, hören, sprechen, KI nutzen, Inhalte teilen.
Even Realities denkt die Brille eher als stille, zusätzliche Informationsdimension: anzeigen, erinnern, übersetzen, unterstützen, transkribieren – möglichst ohne großes Technikgefühl im Gesicht.

Für den Office-Alltag ist das ein entscheidender Unterschied: Wer vor allem Audio, Social Media, Freisprechen und Kamera-Features sucht, ist mit der Ray-BanMeta Display gut bedient. Wer eine Brille möchte, die möglichst unauffällig Informationen einblendet und eher wie eine echte „Arbeitsbrille“ funktioniert, landet sehr schnell bei der Even G2.

Akkulaufzeit, Ladecase und Alltagstauglichkeit

Auch bei der Akkulaufzeit macht die Even G2 einen starken Eindruck. Sie hält ohne Probleme einen vollen Arbeitstag durch, und das ohne ständige Sorge um den Akkustand. Das Ladecase funktioniert dabei mobile Energiereserve – nice!

 

Was noch fehlt – und warum genau das die Zukunft so spannend macht

So positiv der Eindruck ausfällt: Perfekt ist das Ganze (natürlich) noch nicht. Was wir uns wünschen würden: 

  • Mehr Kontrolle über das Dashboard.
  • Mehr Anpassung bei den Inhalten.
  • Anzeige vollständiger Nachrichten statt nur Vorschauen.
  • Mails direkt lesen und beantworten können.
  • Noch engere Sprachinteraktion.

Und vielleicht irgendwann doch eine Freisprechfunktion – aber nur, wenn der  Formfaktor nicht leidet. Denn die Even G2 zeigt schon heute, dass der Formfaktor funktioniert. Die Frage ist jetzt nicht mehr, ob Smart Glasses tragbar sind, sondern wie weit sich dieser Ansatz in Richtung echter mobiler Arbeitsoberfläche weiterentwickeln lässt.