Sportbrillen Engo 3 und Engo 2 im Vergleich
Mehr Farbe, mehr Akku, weniger Gefummel
Augmented Reality klingt oft nach großen Headsets, Zukunftsversprechen und Büro-Demos. Spannend wird die Technik aber genau dort, wo sie im Alltag fast unsichtbar wird. Zum Beispiel auf dem Rad.
Mit der Engo 3 bringt Engo den Nachfolger der Engo 2 an den Start. Beide Brillen projizieren Trainingsdaten direkt ins Sichtfeld. Für Radsportler heißt das: weniger Blick nach unten zum Garmin, zur Apple Watch oder zum Radcomputer. Stattdessen schweben Werte wie Herzfrequenz, Leistung, Pace, Trittfrequenz oder Distanz direkt vor dem Auge. Die Engo 3 macht dabei vieles besser als die Engo 2. Nicht spektakulär anders, aber spürbar alltagstauglicher.
Was ist die Engo 3?

Die Engo 3 ist eine smarte Sportbrille mit Head-up-Display, kurz HUD. Ein HUD blendet Informationen so ein, dass sie im Sichtfeld erscheinen, ohne dass man auf ein separates Display schauen muss. Bei der Engo-Brille wirkt es so, als würden die Daten einige Meter vor einem in der Luft schweben.
Engo nutzt dafür die ActiveLook-Technologie. Das System arbeitet ohne GPS und ohne Kamera; es zeigt im Kern Leistungsdaten aus verbundenen Geräten an. Die Engo3 verzichtet dabei auf Kamera, Mikrofon und KI-Funktionen verzichtet.
Für Radsportler ist genau das interessant: Die Brille will nicht ablenken, sondern die wichtigsten Trainingsdaten dorthin bringen, wo der Blick ohnehin sein sollte — nach vorne.
Engo 3 vs. Engo 2: Die wichtigsten Unterschiede
Die Engo 2 war bereits ein spannender Ansatz: leicht, sportlich, mit Datenanzeige im Sichtfeld. Aber sie hatte auch ein paar typische Produkt-Generation-1-Probleme. Vor allem die Bedienung war im Alltag etwas umständlich.
Bei der Engo 2 saß oben ein kleiner Ein-/Aus-Schalter. Wer die Brille einschalten wollte, musste schon recht gezielt mit dem Fingernagel arbeiten. Außerdem gab es vorne zwischen den Augen ein Sensorfeld zum Wechseln der Datenansichten. Das funktionierte, konnte aber auch versehentlich auslösen.
Die Engo 3 löst genau diese Punkte eleganter. Statt des kleinen Schalters gibt es hinten am Bügel einen besser erreichbaren Button. Der Wechsel zwischen den Datenfeldern läuft nun über einen Touchsensor am Bügel beziehungsweise über Double-Tap am Brillenarm – eines der Key-Features der Engo3.
Neuerungen auf einen Blick
| Aspekt | Engo 2 | Engo 3 |
|---|---|---|
| Aspekt Gewicht | Engo 2 36g | Engo 3 38,5 |
| Aspekt Akkulaufzeit | Engo 2 bis 12 Stunden | Engo 3 bis 20 Stunden |
| Aspekt Display | Engo 2 einfarbig | Engo 3 mehrfarbig |
| Aspekt Bedienung | Engo 2 Gestensensor vorne | Engo 3 Double Tap / Sensor am Bügel |
| Aspekt Datenfelder | Engo 2 40+ Metriken | Engo 3 40+ Metriken, personalisierter |
| Aspekt Strukturiere Workouts | Engo 2 nicht unterstützt | Engo 3 mit Garmin unterstützt |
Die Engo2 wird vom Hersteller aktuell mit 36 g, 12 Stunden Akkulaufzeit und über 40 anpassbaren Metriken beworben. Die Engo3 liegt laut Hersteller bei 38,5 g, 20 Stunden Akkulaufzeit, Farb-HUD und breiter Garmin- sowie Apple-Watch-Kompatibilität.
Sichtfeld und Tragegefühl: Kleine Änderung, große Wirkung
Auf den ersten Blick sehen Engo 2 und Engo 3 sehr ähnlich aus. Beide bleiben sportliche Brillen mit sichtbarer Technik im Nasenbereich. Wer eine ultrafiligrane Lifestyle-Brille erwartet, wird hier nicht glücklich. Trotzdem wirkt die Engo 3 etwas schlanker. Das ist wichtig, weil die Technik sehr nah am Auge sitzt. Schon kleine Änderungen können im Sichtfeld auffallen.
Beim Gewicht ist der Unterschied praktisch egal: Die Engo 2 liegt bei 36 g, die Engo 3 bei 38,5 g. Zwei bis zweieinhalb Gramm mehr machen im Sport kaum den Unterschied. Viel wichtiger sind Sitz, Nasenauflage und Bügel. Die Engo3 hat verstellbare Nasenpads und Bügel, was für einen guten Sitz, besonders bei längeren Fahreinheiten relevant ist.
Das Display – in Farbe, aber dennoch dezent
Der vielleicht sichtbarste Unterschied ist das neue Farbdisplay der Engo 3. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass man hier ein vollwertiges Display wie bei einer AR-Brille fürs Büro bekommt. Die Anzeige bleibt bewusst reduziert.
Die meisten Werte erscheinen weiterhin klar und kontrastreich. Neu ist aber, dass Trainingszonen farbig dargestellt werden können. Besonders bei Herzfrequenz, Tempo oder Leistung ist das sinnvoll: Grün bedeutet im Zielbereich, Gelb oder Rot signalisiert, dass man nachsteuern sollte.
Engo bewirbt die Engo3 mit einem mehrfarbigen HUD, roten bis grünen Zonen und 40+ Metriken. Außerdem lassen sich bis zu sechs Daten pro Screen anzeigen.
App und Einrichtung: Der eigentliche Gamechanger
Der größte Fortschritt steckt nicht nur in der Brille, sondern in der Software.
Bei der Engo 2 lief die Einrichtung noch über die ActiveLook-App. Das funktionierte, war aber nicht immer selbsterklärend. Wer eigene Datenfelder bauen wollte, musste sich stärker einarbeiten. Für Technikfans okay, für den schnellen Start eher mühsam.
Mit der Engo 3 gibt es nun die eigene Engo App. Darüber lassen sich Datenbildschirme deutlich einfacher zusammenstellen. Man wählt aus, wie viele Widgets — also einzelne Datenfelder — auf einem Screen liegen sollen, und belegt sie dann mit Werten wie Herzfrequenz, Leistung, Pace oder Trittfrequenz.
Mit der App lässt sich die Engo3 nicht nur mit Garmin verbinden, sondern es lassen sich auch Datenbildschirme personalisieren und Trainingswerte direkt im Sichtfeld nutzen. Für Radsportler ist das ein echter Vorteil. Man kann sich zum Beispiel einen Screen für lockere Grundlageneinheiten bauen und einen anderen für Intervalle:
- Screen 1: Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Distanz
- Screen 2: Leistung, Trittfrequenz, Rundenzeit
- Screen 3: Herzfrequenzzone, Intervallzeit, Durchschnittsleistung
Das macht die Brille flexibler. Und vor allem fühlt sie sich weniger wie ein Bastelprojekt an.
Kompatibilität: Garmin, Apple Watch und mehr
Die Engo 3 ist besonders spannend für alle, die bereits mit Garmin oder Apple Watch trainieren. Laut Hersteller ist die Engo3 mit über 81 Garmin-Uhren und Radcomputern sowie Apple Watch kompatibel. Auf der Kompatibilitätsliste stehen unter anderem Garmin Edge 530, 540, 830, 840, 1030, 1040 und 1050 sowie viele Forerunner- und Fenix-Modelle.
Die Daten kommen also nicht direkt aus der Brille. Die Brille ist das Display. Garmin, Apple Watch, Smartphone oder kompatible Apps liefern die Werte. Das ist eine sinnvolle Arbeitsteilung. Denn Radcomputer und Sportuhren sind bei GPS, Sensoren und Trainingsdaten ohnehin stark. Die Engo 3 ergänzt sie um die Anzeige im Blickfeld.
Brille ohne Sehstärken - ein Problem?
Die Engo 3 gibt es nicht einfach als klassische Brille mit individueller Sehstärke. Für Menschen, die beim Sport Kontaktlinsen tragen, ist das meist kein Problem. Wer aber zwingend eine Korrekturbrille braucht und keine Kontaktlinsen nutzt, sollte genau hinschauen.
Interessant ist die Brille für Menschen mit Lesebrille-Problematik. Engo beschreibt, dass das Display mehrere Meter voraus projiziert wird und dadurch für viele besser lesbar ist als eine Uhr direkt am Handgelenk.
Für wen lohnt sich die Engo 3?
Die Engo 3 lohnt sich vor allem für Radsportler, Läufer und Triathleten, die regelmäßig nach Daten fahren oder laufen. Wer nur gelegentlich eine Feierabendrunde dreht und dabei eher nach Gefühl unterwegs ist, braucht keine smarte Sportbrille für rund 350 Euro.
Spannend wird die Engo 3, wenn du:
- strukturierte Trainings fährst,
- häufig Intervalle machst,
- Herzfrequenz- oder Leistungszonen einhalten willst,
- im Wettkampf weniger auf den Radcomputer schauen möchtest,
- Technik magst, die im Idealfall nicht nervt.
Gerade im Radsport ist der Sicherheitsaspekt nicht zu unterschätzen. Jeder Blick nach unten zum Radcomputer ist kurz, aber eben ein Blick weg von der Straße. Eine HUD-Brille kann diese Blickwechsel reduzieren.
Für datengetriebenes Training ist die Engo 3 ein logischer Schritt: Der Radcomputer bleibt die Zentrale, die Brille wird zum Display im Sichtfeld.
Was bleibt kritisch?
So spannend die Engo 3 ist: Sie ist kein Pflichtkauf für alle.
Erstens bleibt der Nasenbereich sichtbar technischer als bei einer normalen Sportbrille. Zweitens muss man sich an die Anzeige im Sichtfeld gewöhnen. Drittens hängt der Nutzen stark vom eigenen Setup ab. Wer Garmin nutzt, hat aktuell die besten Karten. Wer mit anderen Ökosystemen unterwegs ist, sollte die Kompatibilität vorher prüfen.
Auch die Frage nach Navigation, Radarwarnungen und Drittanbieter-Apps bleibt wichtig. Für viele Radsportler wäre genau das der Punkt, an dem aus einer Trainingsbrille ein echtes Sicherheits- und Komforttool wird.
Fazit: Die Engo 3 ist keine Revolution, aber ein sehr sinnvolles Update
Die Engo 3 verbessert genau die Punkte, die bei der Engo 2 im Alltag gestört haben: Bedienung, App, Akku und Informationsdarstellung. Das neue Farb-HUD macht Trainingszonen schneller erfassbar. Der Touchsensor am Bügel ist angenehmer als das alte Sensorfeld vorne. Und die neue App senkt die Einstiegshürde deutlich.
Für Radsportler mit Garmin-Setup ist die Engo 3 aktuell eine der spannendsten Sportbrillen mit Head-up-Display. Sie ersetzt keinen Radcomputer, aber sie kann ihn sinnvoll ergänzen. Nicht als Spielerei, sondern als Datenanzeige genau dort, wo der Blick hingehört: nach vorne.



