Direkt zum Inhalt der Seite springen

Zgoll | Detail

"Wir planen ohne echte Erfahrungswerte" – Innenarchitekten Nadia Stanke im Gespräch

Design Korschenbroich

Wie verändert sich das Büro der Zukunft? Im Rahmen von “The Tomorrow Office Experiment” begleitet uns Innenarchitektin Nadia Stanke von Stanke Interiordesign ein Stück des Wegs. 

Im Interview spricht sie mit Michael über Mixed Reality, KI und flexible Arbeitswelten – und warum klassische Bürokonzepte ausgedient haben.

Michael
Wir haben uns bewusst entschieden, beim Umbau des Blecherhofs im Rahmen unseres “Tomorrow Office Experiments” nicht einfach ein neues Konzept umzusetzen – sondern zu experimentieren. Wie war das für euch als Innenarchitekten?

Nadia
Ungewöhnlich. Normalerweise kennen wir die Anforderungen ziemlich genau. Hier war das anders:
Es gab keine klaren Benchmarks, keine Erfahrungswerte und viele offene Fragen. Wir mussten uns Schritt für Schritt herantasten. Das hat deutlich länger gedauert als in klassischen Projekten.

Hypothesen statt Masterplan

Michael

Wir arbeiten aktuell stark mit Hypothesen – ohne zu wissen, ob sie funktionieren.

Nadia
Genau. Und das ist eigentlich der spannendste Teil. Wir sagen nicht mehr: „Das ist das Konzept für die nächsten 10 Jahre.“ Sondern: „Das könnte funktionieren – wir testen es.“

Michael
Ein zentrales Ergebnis aus dem Projekt: Starre Bürokonzepte gehören der Vergangenheit an.

Nadia
Zukünftig müssen Unternehmen ihre Räume viel schneller anpassen können – nämlich tageweise, teamweise und situationsabhängig. Flexibilität wird zum Standard – nicht mehr zur Option. Das Büro wird viel flexibler und permanent veränderbar

Mixed Reality verändert das Raumkonzept

Michael
Ein großer Treiber im Projekt ist das Thema Mixed Reality – insbesondere im Zusammenspiel mit KI. Was bedeutet es eigentlich für Räume, wenn Menschen mit Smart Glasses arbeiten?

Nadia
Das war genau die Herausforderung. Unsere erste Idee war: Rückzugsräume, abgeschottete Bereiche, Cocoon-Spaces.

Michael
Und dann haben wir gemerkt: Das Gegenteil ist sinnvoll. Offene, flexible Flächen werden wichtiger – nicht geschlossene Räume.
Das Büro wird zum Erlebnisraum, den man zu Hause eben nicht hat. Das Alleinstellungsmerkmal des Büros ist die Fläche selbst. Das ist ein spannender Perspektivwechsel. Der Grund, ins Büro zu kommen, ist nicht mehr der Schreibtischsondern der Raum und das, was dort möglich ist. Das Büro wird zum Ort, der Möglichkeiten bietet, die ich allein nicht habe.

KI in der Innenarchitektur: Werkzeug, nicht Ersatz

Michael
Welche Rolle spielt KI bei euch heute?

Nadia

Eine große – aber nicht die entscheidende. Wir nutzen KI für die Ideenfindung, für Textarbeit, für die Analyse der Marken-DNA und zur Kostenorientierung

Aber: Der kreative Prozess bleibt beim Menschen. Und die Umsetzung sowieso – von der Terminabsprache bis zur Abstimmung auf der Baustelle mit den Handwerkern. Da werden wir auch in Zukunft als Menschen relevant bleiben, denke ich.

Letztendlich gilt immer:  Entscheidend ist, was Menschen aus Räumen machen. Nicht das Konzept entscheidet – sondern die Nutzung durch die Menschen. Deshalb wird die Begleitung nach der Planung viel wichtiger: Wie werden die Mitarbeitende eingebunden?Selbst nach der Fertigstellung beobachten wir die Nutzung und entwickeln die Räume weiter.

Wir müssen lernen, mit Unsicherheit zu arbeiten

Michael
Die größte Erkenntnis aus dem Projekt ist für uns, glaube ich: Es gibt aktuell keine fertigen Antworten. Wir hinterlassen neue Fußabdrücke – ohne Vorlage.

Nadia
Und genau das macht Projekte wie dieses so besonders – und gleichzeitig so herausfordernd!


Das ganze Gespräch im Video

Mit dem Aktivieren des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube. Zur Datenschutzerklärung